Kerzen selber gießen: typische Fehler beim ersten Guss
Der erste eigene Kerzenguss endet selten so, wie man ihn sich vorgestellt hat. Wachs spritzt, der Docht verrutscht, und nach dem Abkühlen zeigen sich Risse oder Mulden an der Oberfläche. Die meisten dieser Probleme lassen sich vermeiden, wenn man weiß, worauf es ankommt. Entscheidend sind drei Dinge: die richtige Wachstemperatur, ein stabil fixierter Docht und Geduld beim Abkühlen.
Ein Klassiker unter den Anfängerfehlern ist das Eingießen des Wachses bei zu hoher Temperatur. Wer das Wachs direkt vom Herd in die Form gießt, riskiert nicht nur Brandblasen, sondern auch eine ungleichmäßige Kristallstruktur. Das Wachs zieht sich beim Erstarren zusammen, und genau dann entstehen die unschönen Mulden. Wer diese Einfallstellen am Docht beim zweiten Guss kennt, weiß, dass ein Nachgießen fast immer nötig ist. Lassen Sie das Wachs auf etwa 60 bis 70 Grad abkühlen, bevor Sie es in die Form geben. Ein einfaches Küchenthermometer reicht dafür völlig aus.
Der Docht ist die zweite große Fehlerquelle. Wer ihn nur oben festhält und unten frei in der Form hängen lässt, bekommt eine Kerze, die schief abbrennt oder ganz erlischt. Besser ist es, den Docht am Boden der Form mit einem Tropfen heißem Wachs oder einem kleinen Klebepunkt zu fixieren und oben mit einem Stab oder einer Wäscheklammer zu spannen. Auch die Wahl des Dochts spielt eine Rolle: Ein zu dünner Docht schmilzt zu wenig Wachs, ein zu dicker rußt. Als Faustregel gilt etwa ein Millimeter Dochtstärke pro fünf Zentimeter Kerzendurchmesser.
Nach dem Guss braucht die Kerze Ruhe. Wer die Form in den Kühlschrank stellt, provoziert Spannungsrisse und eine raue Oberfläche. Stellen Sie die Form stattdessen an einen zugfreien Ort mit Raumtemperatur und warten Sie mindestens vier Stunden, besser über Nacht. Sinkt der Wachsspiegel beim Abkühlen ab, gießen Sie einfach etwas nachgeschmolzenes Wachs nach. Dieser zweite Guss ist kein Zeichen von Unfähigkeit, sondern gehört bei fast jeder Kerze dazu. Mit etwas Übung wird der erste Guss trotzdem schon fast perfekt.