Nichttragende Innenwände nachträglich einziehen
Beim nachträglichen Einziehen nichttragender Innenwände im Bestand entscheidet die Lastabtragung über die Standsicherheit. Eine leichte Trennwand aus Gipskarton bringt je nach Aufbau 25 bis 50 kg pro Quadratmeter auf die Waage. Diese Flächenlast muss in Decke und Boden eingeleitet werden, ohne dass die vorhandene Konstruktion überlastet wird. Bei Holzbalkendecken ist zu prüfen, ob die Balken die zusätzliche Last aufnehmen können – oft reicht es, die Wand parallel zu den Balken zu setzen oder eine lastverteilende Schwelle einzubauen. Bei Stahlbetondecken genügt meist der direkte Anschluss mit geeigneten Dübeln, sofern die Decke nicht bereits an der Kapazitätsgrenze arbeitet. Ein Statiker sollte vorab klären, ob die geplante Wand als nichttragend eingestuft werden darf oder ob sie im Zweifel als aussteifendes Element gewertet wird.
Die Anschlüsse an angrenzende Bauteile sind der zweite kritische Punkt. An massiven Wänden wird das Profil mit Schlagdübeln oder Rahmendübeln befestigt, wobei der Abstand zur Wandkante mindestens 50 mm betragen sollte, um den Putz nicht abzusprengen. An Decken und Böden kommen je nach Untergrund unterschiedliche Befestigungen zum Einsatz: bei Beton reichen Kunststoffdübel, bei Holz reicht der Schraubabstand von 40 bis 60 cm. Besonders im Altbau sind die Wände selten lotrecht und die Decken nicht exakt waagerecht. Hier hilft es, mit Unterlegplatten oder Keilen zu arbeiten und die Profile millimetergenau auszurichten, bevor die Beplankung erfolgt. Wer sich unsicher ist, findet unter Trockenbauwand im Altbau selber bauen eine detaillierte Anleitung zu diesem Arbeitsschritt.
Die Leitungsführung im Bestand erfordert eine vorausschauende Planung. Elektroleitungen, Wasserrohre und Heizungsvor- und -rückläufe müssen entweder durch die neue Wand geführt oder um sie herum verlegt werden. Bei einer Wandstärke von 100 mm bleibt nach Abzug der Beplankung und der Profile oft nur ein Hohlraum von 50 bis 60 mm – zu wenig für Abwasserrohre oder dicke Heizungsstränge. In solchen Fällen ist eine Vorwandinstallation oder eine abgehängte Decke die bessere Lösung. Werden Leitungen in der Wand verlegt, sind Scheuerstellen zu vermeiden und die Durchbrüche mit Brandschutzmanschetten zu versehen, wenn die Wand als Brandabschnitt dient. Auch Schallschutz spielt eine Rolle: Leitungen, die direkt an der Beplankung anliegen, übertragen Körperschall. Eine Trennung mit elastischen Zwischenlagen oder eine doppelte Beplankung reduziert die Übertragung deutlich.
Vor dem ersten Schnitt lohnt sich eine Bestandsaufnahme: Wo verlaufen die alten Leitungen, wie ist die Decke aufgebaut, und welche Lasten kann der Boden aufnehmen? Wer diese Fragen im Vorfeld klärt, vermeidet teure Überraschungen. Eine nichttragende Innenwand ist kein Hexenwerk, aber sie verzeiht keine Fehler bei der Statik und den Anschlüssen. Sorgfalt bei der Planung zahlt sich später in einer stabilen, schall- und brandschutztechnisch einwandfreien Wand aus.