Regalbau im Altbau: Wände prüfen, Lasten verteilen
Altbauwände sind selten so homogen, wie sie auf den ersten Blick wirken. Wer ein hohes Regal an die Wand stellen will, muss wissen, worauf er lastet. Ziegel aus der Gründerzeit, spätere Ausfachungen aus Bims oder Hohlblock, dazu verputzte Schlitze und alte Kaminzüge – die Tragfähigkeit variiert oft auf wenigen Metern. Eine reine Sichtprüfung reicht nicht. Sinnvoll sind Klopftest, Bohrwiderstand und im Zweifel ein Blick in alte Baupläne. Bei nichttragenden Innenwänden aus Fachwerk oder dünnen Ziegeln sollte man von vornherein mit Dübeln arbeiten, die die Last großflächig verteilen, nicht mit einfachen Spreizdübeln, die den Stein sprengen können.
Die entscheidende Frage ist nicht nur, ob die Wand hält, sondern wie die Last in sie eingeleitet wird. Ein Regal mit 3,5 Metern Höhe und sechs Böden trägt leicht mehrere hundert Kilogramm. Diese Last darf nicht punktuell in eine dünne Innenwand eingeleitet werden. Punktlasten an den Auflagern sind kritisch, Flächenlasten über eine durchgehende Schiene oder ein Trageprofil sind unkritisch. Wer eine deckenhohe Bücherwand im Wohnzimmer planen und bauen möchte, sollte die Befestigung deshalb an mehreren Punkten und möglichst in tragenden Wänden oder Deckenbalken verankern. Bei Altbauten liegen die Balken oft nicht dort, wo man sie vermutet. Ein Balkensucher oder ein Blick von oben durch den Fußbodenaufbau hilft.
Lasten richtig verteilen heißt auch, den Schwerpunkt niedrig halten. Schwere Bücher gehören in die unteren Fächer, leichte Gegenstände nach oben. Ein Regal, das bis zur Decke reicht, wirkt optisch wie eine Wand, ist aber statisch ein Möbelstück. Es sollte an der Wand befestigt sein, nicht nur an ihr stehen. Eine Rückwand aus dünnem Holz oder eine Querverstrebung verhindert seitliches Ausknicken. Wer auf Nummer sicher gehen will, zieht einen Statiker hinzu, bevor gebohrt wird. Das kostet weniger als die Reparatur eines herausgerissenen Wandstücks.
Bevor die erste Bohrung gesetzt wird, lohnt sich die Prüfung der Wand auf Feuchtigkeit und Salzausblühungen. In Altbauten sind feuchte Wände keine Seltenheit, und ein Regal davor verschlimmert das Problem, weil es die Wand abschottet. Ein Abstand von einigen Zentimetern zur Wand, hinterlüftet, schützt Mauerwerk und Bücher. Wer diese Punkte beachtet, kann auch im Altbau eine deckenhohe Bücherwand realisieren, die sicher steht und nicht zur Gefahr wird.